Caspar René Hirschfeld
 

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Caspar René Hirschfeld
(*1965)

R. Hirschfeld mit den Interpreten kurz vor der Uraufführung
des Nachtstücks für Oboe und Harfe durch das Duo Bellini

im befoco-Verlag:

Nachtstück 
für Oboe und Harfe


Notenbeispiel

HAIKU III
für Oboe solo


Notenbeispiel


Tonbeispiel

(Bernhard Forster, Oboe)

mehr über den Komponisten gibt es auf dessen website:
hirschfeld-music.com



über die Werke (Texte vom Komponisten)


Zum "Nachtstück" für Oboe und Harfe

1997 schrieb ich die Schauspielmusik zu einer Inszenierung von William Shakespeares "Sommernachtstraum" , der ein sehr reizvolles Konzept zugrunde lag: während Schauspieler die Liebenden, die Handwerker und die Hofgesellschaft spielten, wurden Oberon und Titania, Puck und die Elfen (also alle Fabelwesen) durch Puppenspieler mit äußerst phantastischen Puppen dargestellt. Ich entschied mich, die Musik in Form einer Suite für Harfe und Schlagzeug zu komponieren.
Nachdem diese Arbeit und auch die erfolgreichen 45 Theateraufführungen abgeschlossen waren, fühlte ich mich nachhaltig inspiriert nicht nur durch Shakespeares wunderbares Werk, sondern auch durch das Inszenierungskonzept und - es mag eigenartig klingen - durch meine eigene Musik.
Ich hatte das Bedürfnis, aus den Themen der Suite ein kleineres Konzertstück zu erarbeiten, welches die Atmosphäre des Zauberwaldes, die neckische Lebendigkeit Pucks und die Zartheit der Elfen nicht in getrennten Sätzen einer Suite, sondern eben in einem einzigen Stück reflektiert.
Im Jahr 2000 dann erhielt ich die Gelegenheit, ein Stück für das Duo Bellini zu schreiben, und bei der Besetzung Oboe und Harfe kam mir sofort wieder diese Idee in den Sinn. Das "Nachtstück" ist das Ergebnis. Dabei bestand die Herausforderung nicht primär in der anderen Besetzung, sondern in der formalen Unterschiedlichkeit: während also in der Suite für Harfe und Schlagzeug die unterschiedlichen Charaktere und Begebenheiten (die natürlich weit zahlreicher sind, wie auch die Suite ja umfangreicher ist als das "Nachtstück") in einzelnen, in sich mehr oder weniger geschlossenen Nummern verwirklicht sind, sind sie im "Nachtstück" zu einer nahezu symmetrischen Form vereint: Die Themen von Puck und den Elfen "erscheinen" sozusagen nach einem Anfangsabschnitt, der aus dem musikalischen Material des Zauberwalds geformt ist und führen am Ende auch in dieses Material zurück.
Bei alldem ist jedoch wichtig anzumerken, daß dies - im Gegensatz zur genannten Suite - keine "Programmmusik" im wirklichen Sinne ist. War mein Anliegen bei der Suite, Stimmungen und Charaktere aus Shakespeares Stück widerzuspiegeln, zu erfassen oder zu kommentieren, so ist das "Nachtstück" letztlich doch einfach ein Nocturne für Oboe und Harfe, Musik eben, die in erster Linie zum Hören und weniger dazu gedacht ist, an Shakespeare und seine Figuren zu denken oder überhaupt Assoziationen zu bemühen. Verboten jedoch ist dies freilich auch nicht. 

Zu "Haiku III"  - für Oboe solo  

Haiku – eine im 13. Jahrhundert durch Verkürzung des fünfzeiligen ”Tanka”
entstandene, dreizeilige japanische Gedichtform, bei welcher die vorgeschriebene Silbenanzahl (5-7-5) einen reizvoll symmetrischen Rhythmus ergibt. Die Entwicklung dieser Gedichtform ist der Tradition des Zen-Buddhismus untrennbar verbunden und so gilt das Haiku als Paradebeispiel für Reduktion in der Literatur. Es geht ganz auf die wesentlichen Wortinhalte zurück und vordergründige sprachliche Ausschmückung findet in dieser Form ebensowenig Platz wie ausufernde emotionale Kommentare. Dies bedeutet keinesfalls Verlust an Tiefe und Gefühl, sondern im Gegenteil, Konzentration desselben.
Im Haiku III für Oboe habe ich den Versrhythmus auf mehrere Ebenen projiziert. So ist zum Beispiel jeder der drei ”Verse”, die natürlich im Verhältnis 5-7-5 zu einander stehen, wiederum proportional in 3 Teile gegliedert, die sich ebenfalls wie 5-7-5 zu einander verhalten. Dies geht bis in die Taktarten hinein (5/4-Takt, 7/4-Takt). Dabei arbeite ich auch in der Entwicklung des Tonhöhenmaterials in den verschiedenen Abschnitten mit Augmentation und Diminution. Das thematische Material, mit dem auf diese Weise gespielt wird, (und das in den ersten 5 Takten exponiert wird) erfährt auf diese Weise unterschiedlichste Transformierungen: vom fragenden Ruf der Oboe zu Beginn, über melancholisch-mikrotonale Linien, bis hin zu trotzig einherkommenden Vierteln und virtuoser Verflechtung aller Elemente. Dennoch bleibt es, wie in einem Haiku – Gedicht, letztlich ein monothematisches Stück, da alles, was geschieht, nur eine Reflektion des ursprünglichen Gedanken ist. Nachdem dies alles nun sehr technisch klingt ist analytisches Hören jedoch bei diesem Stück keinesfalls gefordert. Im Gegenteil: der Reiz und die Tiefe der Haiku-Form besteht darin, daß jeder Ton, jede Tongeste, jedes ”Wort” genau das ist, was es ist: ein Ton, eine Geste, ein Wort; - nicht mehr und nicht weniger.

 C. René Hirschfeld

Beispiel HAIKU


 

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