Text:Lachner-kritik

Technische Raffinessen mit der Solo-Oboe gemeistert

Abo-Konzert im Stadtkulturhaus Borna / Verblüffende Qualität von Mendelssohns Vierter / Dankesworte an das Orchester
   Borna. Die Bekanntschaft erfolgte vor 15 Monaten über's Internet. Da lernten sich eines schönen Tages Bernhard Forster und Bodo Lachner kennen der eine Oboist und der andere Ururenkel des Komponisten Ignaz Lachner. Zwar ist in der Musikhistorie eher Bruder Franz Lachner ein Begriff. Doch Bernhard Forster ist auf gutem Wege, dem Ignaz mittels Noten-Herausgabe ein Plätzchen im Konzertrepertoire zuzuschieben, zumindest anzuwärmen.
Für Forster hat das Entfernen dicker Vergessenheitskruste bei Oboen-Kompositionen längst nicht nur Hobby-Charakter. Es ist zur Profession geworden, wovon sich am Freitagabend auch die Bornaer überzeugen konnten. Zwar wurde die Aufführung von Ignaz Lachners "Concertino für Oboe und Orchester" keine Uraufführung, denn die fand bereits 1992 in Bielefeld statt. Jedoch wurde es die erste Wiederaufführung nun nach Material von Bernhard Forster. Der hatte sich kurz nach der Internetbekanntschaft mit dem Ururenkel ans Werk gemacht und das Concertino ediert.
Natürlich war es eine kleine Attraktion, als Bodo Lachner selbst im Kulturhaus seine Dankesworte loswerden konnte. Wenngleich ein bisschen leise vom Zettel abgelesen, galt der Dank sowohl Forster als auch dem Westsächsischen Symphonieorchester. Und die leisteten allesamt Bemerkenswertes, zumal der Schubert-Zeitgenosse Lachner mit technischen Raffinessen, vor allem für die Solo-Oboe, keineswegs geizte. Bernhard Forster meisterte alles jedoch mit einer schier verblüffenden Souveränität und Leichtigkeit, ließ die rasanten Läufe perlen, verstrickte sich im Finalsatz in locker scherzende Dialoge mit dem Orchester und hielt schließlich bei Blumenparade und Blitzlichtgewitter die Noten hoch, als wolle er dem Publikum sagen: "Danken Sie doch eher dem Ignaz!"
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Katrin Seidel, Leipziger Volkszeitung

 

 

 

 


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