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Bearbeitung des Oboenkonzertes d-moll nach
BWV 974
Es ist gängige Praxis bei der Erarbeitung des Oboenkonzertes von Alessandro
Marcello, im zweiten Satz auf eine verzierte Fassung Johann Sebastian Bachs
zurückzugreifen. Diese stammt aus BWV 974 und stellt eine von insgesamt 16
Bearbeitungen italienischer Instrumentalkonzerte für Cembalo solo dar, die Bach
um 1713 anfertigte.
Beim Studium der Cembaloversion ist festzustellen, dass Bach nicht nur die
Oboenstimme (und auch diese nicht nur im langsamen Satz) veränderte, sondern
auch in der Begleitung teilweise massiv in das Originalwerk eingriff.
Einige Detailveränderungen sind allein der Instrumentierung geschuldet, z.B.
Triller auf langen Noten, Akkordbrechungen sowie das Weglassen von wiederholten
Phrasen, die im Original einmal von der Oboe und einmal von den Violinen
gespielt werden.
Zahlreiche andere Veränderungen stellen nach meiner Überzeugung aber einen
Eingriff in die Substanz des Werkes dar. So hat die Oboe in den Ecksätzen (die
bei Marcello gegenüber dem genialen Wurf des Adagios eindeutig abfallen) weniger
Pausen und ist somit über längere Abschnitte solistisch präsent (1.Satz T54ff,
3. Satz T94ff). Gleichzeitig wird der Orchesterpart dichter (1. Satz T34ff,
T53ff), erhält neue Nebenstimmen (1. Satz T26, 2. Satz T39ff) und einige
veränderte Harmonien (u.a. alle Satzschlüsse in Dur).
Natürlich birgt die Rückübertragung der Cembalofassung in die Originalbesetzung
das Risiko, instrumentenspezifisch untypische Phrasen zu erzeugen. Der Einblick
in Bachs Beschäftigung mit italienischer Musik, seine genaue Notation der
ansonsten üblicherweise frei ausgeführten Verzierungen und die Meisterschaft,
mit der er mit kleinen Eingriffen die Komposition bereichert hat, sind meiner
Meinung dieses Risiko wert.
Ich wünsche allen viel Freude bei diesem neuen Blick auf eines der bekanntesten
Werke der Oboenliteratur.
Peter Wuttke Essen, im September 2006
im befoco-Verlag:
Concerto für Oboe, Streicher
und Continuo in d-moll
Klavierauszug
Partitur und Stimmen
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